Solarunterstützte Klärschlammtrocknung

und Rückgewinnung von Phosphat

Klärschlammtrocknung – wozu soll das gut sein?

Klärschlamm fällt bei der Abwasserreinigung an und ist eine Mischung aus Wasser und Feststoffen. Bei den Feststoffen handelt es sich um Schwebstoffe, die sich in der Kläranlage aus dem Wasser absetzen und zu Boden sinken. Der Entsorgungs- und Servicebetrieb Grünstadt AöR hat die Trocknung des Klärschlammes weiter verbessert. Durch die Massenreduzierung bei der Trocknung von 25 % auf 70 % werden die Transport- und Entsorgungskosten erheblich verringert, denn verdunstetes Wasser muss nicht entsorgt werden.

Mit der auf der Kläranlage eingesetzten klassischen, maschinellen Entwässerung (Klärschlammpresse) lässt sich ein Gehalt an Trockensubstanz im Klärschlamm von bis zu 25 % erreichen. Eine weitere Steigerung des Trockensubstanz-Gehalts ist nur durch zusätzliche Trocknung möglich. Dies geschieht in der solarunterstützten Trockenhalle.

Der Klärschlamm wird von der Presse in die 84 x 12 Meter große Trocknungshalle gebracht. Dort wird er für eine effektive Trocknung durch das so genannte „elektrische Schwein“ in festgelegten Zeitintervallen bearbeitet. Diese Maschine arbeitet vollautomatisch, indem sie den Schlamm wendet, mischt und somit auch durchlüftet. Das Trocknen erfolgt mit Unterstützung der Sonnenstrahlen, welche die Schlammoberfläche erwärmen, da über die Stahlkonstruktion der Halle nur eine PE-Luftpolsterfolie gespannt wurde, und die Sonne nahezu ungehindert die Halle aufheizen kann.

An Energiebedarf fällt nur die elektrische Energie für Geräte (Elektroinstallation, Motore, Lüftungsklappen „elektrisches Schwein“ etc.) an. Den restlichen Energieanteil liefert die Sonne in Form von kostenloser Strahlungsenergie. Die Aufenthaltszeit des Schlammes wird je nach Witterung und gewünschtem Trocknungsgrad ca. 4 bis 8 Wochen betragen. Die „Masse“ des Klärschlamms wird so von ca. 1.600 auf ungefähr 580 Tonnen pro Jahr reduziert.

In den Sommermonaten wird das überschüssige Faulgas (Methangas) der Kläranlage zugeführt anstatt es „abzufackeln“. Über das vorhandene Blockheizkraftwerk und den Heizkessel wird das Gas so in Wärme umgesetzt und der Schlammtrocknung zugeführt.

Zerkleinert und wendet vollautomatisch den Klärschlamm in der solaren Trocknungsanlage: Das "Elektrische Schwein"

Bild 1: Zerkleinert und wendet vollautomatisch den Klärschlamm in der solaren Trocknungsanlage: Das "Elektrische Schwein"

Gewinnung von Posphat

Aus „Klärschlamm“ wird in Grünstadt hochwertiger Phosphat-Dünger. Erzeugt wird das Basisprodukt für Dünger durch den Klärschlamm-Reformer, eine Anlage, die für die EBG (Ensorgungs- und Servicebetrieb Grünstadt) auf dem Gelände des Abwasserwerkes 2014 errichtet wurde.

Der Klärschlamm wird zunächst in der solaren Trocknungshalle auf 70 % Feststoffanteil getrocknet und dann im Reformer verglüht. Aus 1.600 t Klärschlamm werden 250 t Mineralasche mit hohem Phosphatanteil. Das Phosphat aus dem Dünger kann direkt von den Pflanzen und durch die Nahrungskette an den Menschen weitergegeben werden. Da die Naturvorkommen von Phosphaten begrenzt sind, ist der Klärschlamm-Reformer eine nachhaltige Investition in die Zukunft der Phosphatgewinnung. Die Kleinanlage ist nur für Grünstadt ausgelegt und wird vom Land Rheinland-Pfalz finanziell gefördert.

Beispiel für einen Reformer

Bild 2: Beispiel für einen Reformer

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Text und Bild: Stadtwerke Grünstadt GmbH