Wie alles begann...

 

Schillerplatz mit Wochenmarkt und Litfaßsäule in den 1920er Jahren.

Im abgebildeten Gebäude befindet sich heute das Café 1987. (Quelle: Grünstadt in alten Bildern, von Walter Lampert 1978)


Urkunden beginnen zu reden

875: Die ersten urkundlichen Nachrichten über das heutige Grünstadt stammen beide aus der Zeit um 900, wovon die Urkunde König Ludwig des Deutschen das Datum des 21. November 875 trägt und von der südlichen Ansiedlung, bei St. Martin, berichtet, wir nennen sie: Metzer Urkunde

Betrachten wir jedoch zuerst die Nachrichten über die nördliche Ansiedlung bei Sankt Peter, die Eigentum des Klosters Weißenburg im Elsass war und deswegen als „Weißenburger Urkunde“ bezeichnet wird, da sie die Aussagekräftigere ist und ein getreues Bild aus der Jugendzeit Grünstadt zeichnet.

Metzer Urkunde

König Ludwig der Deutsche, ein Enkel „Karl des Großen“, teilte mit seinen beiden Brüdern im August 843 durch den Vertrag von Verdun das große karolingische Reich. Er erhielt dadurch alles östlich des Rheins und dazu links desselben die Exklaven Mainz, Worms und Speyer. Diese linksrheinischen Gebiete wurden ihm zugesprochen „wegen ihrer Weinfüller“ wie ausdrücklich betont wurde.

Grünstadt wird Marktflecken

1549: Nachdem die Leininger Grafen 1549 den Besitz des Klosters Hüngenfeld oder Glandern in Grünstadt pfandweise erhalten hatten, so dass sie hier neben ihren Hoheitsrechten weitere Möglichkeiten besaßen, bekundeten sie großes Interesse, den Ort zu fördern. Die beiden gräflichen Brüder Philipp und Reinhard zu Leiningen erwirkten am 21. Februar 1556 zu Brüssel von Kaiser Karl V. das Recht, in Grünstadt jährlich zwei Jahrmärkte, den einen auf „Sankt Jacob“, den anderen auf „Sankt Nikolaus“ und wöchentlich an jedem Samstag Wochenmarkt abhalten zu dürfen. 1566 wurde diese Urkunde vom Kaiser (am 9. April 1566 bestätigt Kaiser Maximilian II. die Urkunde) bestätigt.

Stadtentwicklung und Marktwesen

Stadtentwicklung und Marktwesen waren im Mittelalter aufs Engste miteinander verknüpft. Die Verleihung von Marktrechten und Handelsprivilegien in Verbindung mit dem Kaiser gewährleistet Markfrieden und war für das Gedeihen der Städte und Gemeinden von größter Bedeutung. Die Grünstadter Märkte wurden zunächst gegenüber dem Rathaus in der Altgasse (heutige Hauptstraße) abgehalten. Der „Alte Markt“ war früher breiter, als heute noch in der Hauptstraße zu erkennen ist und zog sich bis zur Berggasse hin. Zeugnis aus dieser Zeit gab das 1973 abgerissene Haus Hauptstraße 121, das über dem Kellertor die Inschrift „Haus Wagner 1558“ trug. Aus diesem Markt entwickelte sich ein reges geschäftliches Treiben, hier entstand der wirtschaftliche Mittelpunkt des Fleckens.

Mittelpunkt des Marktes

Mittelpunkt des Marktes war das um 1600 erbaute Rathaus. Einst soll der dieses als Markthalle gedient haben, worin hauptsächlich der  Viktualienmarkt abgehalten worden sei. Es ist bekannt, dass schon seit undenklichen Zeiten im Rathaus die gemeindlichen und gerichtlichen Angelegenheiten behandelt worden sind. Bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung des Marktfleckens und der damit verbundenen Ausweitung der Märkte, war der bisher verwendete Platz bald nicht mehr ausreichend, so dass man um 1600 mit der Anlegung eines weiteren Marktplatzes, des heutigen Schillerplatzes, begann.

Der Luitpoldplatz

Jahrhundertelang erfüllte der Schillerplatz seine Zwecke, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts jedoch zu klein geworden war. Deshalb wurde im Jahre 1898 mit der Anlegung eines größeren Marktplatzes, dem heutigen Luitpoldplatz, begonnen. Seinen Namen erhielt er aber erst 1901 nach dem Prinzregenten „Luitpold von Bayern“. Der Stadtrat verlieh in einer Festsitzung mit allerhöchster Einwilligung aus Anlass des achtzigsten Geburtstages des Prinzregenten dem neuen Marktplatz den Namen „Luitpoldplatz“. Fortan wurden beide Marktplätze benutzt. Auf dem Schillerplatz wickelte sich überwiegend der Verkauf ab, während der Luitpoldplatz hauptsächlich vom Schaustellern und Vergnügungsgeschäften belebt wurde. 1936 erweiterte man den Luitpoldplatz auf der Ostseite um tausend Quadratmeter so, dass seine heutige Fläche rund viertausend Quadratmeter beträgt. Seit 1935 wird hier der „Weinwettstreit der Unterhaardt“, das heutige Grünstadter Weinfest mit seinem Weindorf abgehalten.

Carrières-sur-Seine-Platz

Am 21. Mai 1989 erhielt die Grünanlage beim „Alten Rathaus“ in der Hauptstraße (Fußgängerzone) im Beisein einer Abordnung aus Frankreich und zahlreichen einheimischen Bürgern durch die Bürgermeister Dr. Bourson und Gustavus die Bezeichnung „Carrières-sur-Seine-Platz“. Auf diesem Areal im Herzen der Stadt stand früher das alte Polizeiamtsgebäude.

Neugestaltung des Carrières-sur-Seine-Platz und Neukonzeptionierung des Wochenmarktes

Am 12. Januar 2013 wurde der Grünstadter Wochenmarkt im neuen Gewand auf dem Carrières-sur-Seine-Platz in breiter Öffentlichkeit eröffnet. Getreu unserem Leitsatz „Grünstadt, der grüne Marktplatz der Pfalz“ ist der Grünstadter Wochenmarkt der Treffpunkt eines jeden Samstags für alle Liebhaberinnen und Liebhaber von frischen Produkten aus der Region.

Die persönliche Atmosphäre und das ansprechende Ambiente mit den Bordeaux-roten Schirmen, die den Carrières-sur-Seine-Platz umschließen, stellen einen besonderen Wochenmarkt her. Der Wochenmarkt spiegelt die Herzlichkeit und Freude der Pfälzer wieder: als Treffpunkt und Gelegenheit zum Verweilen und Austausch mit Freunden bei Kaffee oder Wein am Carré-Vert und den umliegenden Cafés und Restaurants. Da heißt es immer samstags „alla hopp“ der Wochenmarkt in Grünstadt ruft.

Der Grünstadter Wochenmarkt ist mit seinen regionalen Anbietern der Marktplatz der Pfalz. Aus der umliegenden Region oder direkt vom Erzeuger: Obst, Gemüse, Salate oder Fleisch kommen frisch auf den (Markt-) Tisch. Produkte in Bio-Qualität finden Sie ebenso, wie auch Dampfnudeln oder Putenfleischspezialitäten. Die Blumenverkäuferinnen und -verkäufer sorgen mit ihrer Vielfalt an Blumengestecke, Schnittblumen und Topfpflanzen für ein Farbenmeer auf dem Wochenmarkt, der sich besonders im Frühjahr und Sommer farbenfroh zeigt, während in der dritten Jahreszeit die Pastelltöne überwiegen.

Zu den heimischen Produkten aus der Pfalz reihen sich internationale Produkte, wie Obst, Gemüse und Kräuter, in das Angebot des Grünstadter Wochenmarktes ein. Saisonelle Produkte wie Spargel, Erdbeeren und Weißkohl und frisch gepresste Fruchtsäfte ergänzen das reichhaltige Angebot auf dem Wochenmarkt.

Auf dem modernen Carrières-sur-Seine-Platz bieten die Marktbeschicker des Grünstadter Wochenmarktes auf rund 1.500 qm den Besucherinnen und Besuchern eine angenehme Atmosphäre. Ausgestattet mit einem Pavillon sowie großen Schirmen sind Sie vor Sonne oder Regen geschützt. Des Weiteren sind öffentliche Toiletten, welche barrierefrei zugänglich sind, auf dem Carrières-sur-Seine-Platz vorhanden.