Ein Streifzug durch die Geschichte

 „Id est willam Grinstat in Warmacense“ …

 

… lautet die Stelle in dem in der Nationalbibliothek von Paris verwahrten lateinischen Text, in dem Grünstadt am 21. November 875 erstmals urkundlich erwähnt wird. Die Schriftprobe lautet übersetzt: „Es ist das Hofgut Grünstadt im Wormsgau“. Vom frühen Mittelalter an war der Ort ein an alten Römerstraßen gelegener Marktflecken, wo der Handel blühte. Um 1700 wurde Grünstadt die Residenz der Leininger Grafen. Aus dieser Zeit stammen die Leininger Schlösser, der Oberhof (dort befinden sich heute das Haus der Vereine und die Stadtbücherei) und Unterhof (unmittelbar neben der Martinskirche) sowie das heutige Stadthaus im barocken Stil.

Graf Georg II. erbaute 1716 den „Oberhof“, Grünstadt war ab dieser Zeit Residenzstadt der Leininger Grafen.

Der „Oberhof“ in der Neugasse überbot den Münchhof in der Obergasse (heute „Unterhof“) bei weitem. Aus zwei Teilen bestehend, jeder mit einem rechtwinkligen Flügel, beide vereinigt durch ein großes Tor mit prächtigem Portal, über dem ein Gang die Obergeschosse verband, hohe, helle, bunt bemalte Räume, in der Erde tiefe Keller gewaltigen Ausmaßes, so war das neue Schloss der jungen Neu-Leininger-Linie zu Anfang des 18. Jahrhunderts der stattlichste und schönste Bau der kleinen Residenz Grünstadt.

Das Stadthaus im Kreuzerweg (Sitz des Bürgermeisters), eines der schönsten Gebäude Grünstadts, wurde zwischen 1750 und 1755 erbaut und diente zunächst als Waisenhaus. Nach den Kriegswirren 1813 war das Gebäude unbewohnbar geworden; anno dazumal nutzten es die Franzosen zuletzt als Lazarett. Das beschädigte Anwesen wurde 1826 von der Waisenhausstiftung zur Aufnahme von Armen hergerichtet, später ein Teil des Hauses zu einem Krankenhaus ausgebaut. 1933 bis 1944 diente es Parteien und Organisationen sowie Gesundheitsdienststellen als Unterkunft. Als am Heiligen Abend 1944 Fliegerbomben das alte Rathaus in der Hauptstraße, der heutigen Fußgängerzone, stark beschädigten, verlegte die Stadtverwaltung ihren Sitz in das Waisenhaus im Kreuzerweg. 1961 bis 1963 wurde das Gebäude renoviert, sein alter Bauzustand größtenteils wieder hergestellt.

Das alte Rathaus im nördlichen Bereich der Fußgängerzone war Mittelpunkt des Grünstadter Marktes, es wurde um 1600 erbaut. Einst soll der ganze Teil des Rathauses Markthalle gewesen sein, worin der Viktualienmarkt abgehalten worden sei.

Es ist bekannt, dass schon seit undenklichen Zeiten im Rathaus die gemeindlichen und gerichtlichen Angelegenheiten behandelt wurden. Das alte Rathaus wurde von 2006 bis 2008 restauriert und beherbergt heute neben der Tourist-Information die Volkshochschule, das Heimatmuseum und das historische Trauzimmer.

Bedingt durch den wirtschaftlichen  Aufschwung des Marktfleckens Grünstadt und der damit verbundenen Ausweitung der Märkte war der bisher verwendete Platz bald nicht mehr ausreichend, so dass man um 1600 mit der Anlegung eines weiteren Marktplatzes, des heutigen Schillerplatzes, begann.

Der Schillerplatz im nördlichen Bereich der Fußgängerzone ist geeignet für kulturelle Veranstaltungen unter freiem Himmel.

Die gotisch-barocke Martinskirche mit Kirchenmuseum ist das Wahrzeichen der Stadt. Ganz in der Nähe liegen die Katholische Kirche St. Peter mit dem Schwesternhaus in der Obersülzer Straße (von 1700 bis 1803 ehemaliges Kapuzinerkloster) sowie die Friedenskirche in der Neugasse.